Gold & Co: So wird das Edelmetalljahr 2022

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Während wichtige Aktienindizes diesseits wie jenseits des Atlantiks — ungeachtet ihrer jüngsten technischen Korrektur — aktuell Wertsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich aufweisen, haben die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium unisono an Wert verloren.

Edelmetalle mit enttäuschender Performance in 2021

Während sich bei Gold das Jahresminus bislang auf 5,5 Prozent beläuft, verloren Silber (-14,2 Prozent), Platin (-12,3 Prozent) und Palladium (-25,4 Prozent) erheblich stärker an Wert (siehe Tabelle). Die Gründe für diesen Negativtrend waren von unterschiedlicher Natur. Angesichts der Tatsache, dass sich in den USA die Inflationsrate im Jahresverlauf von 1,4 auf 6,8 Prozent p.a. (November) beschleunigt hat und in der Eurozone ein Anstieg von minus 0,3 auf plus 4,9 Prozent p.a. (November) zu Buche schlug, entwickelte sich der altbewährte Inflationsschutz Gold im Jahr in diesem Jahr relativ enttäuschend. Kleines Trostpflaster: Gegenüber den drei anderen „edlen Sachwerten“ erzielte das gelbe Edelmetall dennoch eine signifikante Outperformance.

Bei sämtlichen Edelmetallen sorgte ein gestiegener Verkaufsdruck an den Terminmärkten sowie das deutlich nachlassende Interesse der Investoren bei börsengehandelten Finanzprodukten (ETFs, ETPs, ETCs), bei denen eine physische Hinterlegung mit dem jeweiligen Edelmetall erfolgt, für die negative Markttendenz. Eine Sondersituation gab es hinsichtlich der beiden Weißmetalle Platin und Palladium zu beobachten. Deren starke Abhängigkeit von der Automobilbranche erwies sich nämlich in diesem Jahr als „Bremsklotz“ für die Performance. Aufgrund von corona-bedingten Lieferengpässen (insbesondere bei Computerchips) und generell steigenden Rohstoffpreisen hielt sich die Nachfrage bei den zum Bau von Katalysatoren besonders wichtigen Edelmetalle Platin und Palladium in Grenzen.

Privatanleger sollten aber Edelmetalle — trotz der diesjährigen Enttäuschung — in Zukunft auf keinen Fall mit Nichtachtung strafen, da ihr Kauf vor allem auf lange Sicht weiterhin Sinn macht. Es ist nämlich davon auszugehen, dass sich die beschleunigte Inflation nicht so schnell verflüchtigen wird. Diese Erkenntnis haben mittlerweile auch die Notenbanken der USA und der Eurozone gewonnen. So hat zum Beispiel die Fed hinsichtlich der künftigen Inflationsprognose das Wort „vorübergehend“ aus ihrem Vokabular gestrichen und für kommendes Jahr drei Zinsschritte nach oben in Aussicht gestellt. EZB-Chefin Christine Lagarde rechnet für das Jahr 2022 mit einer Teuerungsrate von 3,2 Prozent p.a. nachdem man drei Monate zuvor noch einen Wert von lediglich 1,7 Prozent prognostiziert hatte.

Robert Hartmann, der Mitgründer von pro aurum, geht sogar davon aus, dass selbst dieser Wert übertroffen wird. Er sagt: „Corona war lediglich der Auslöser, der die Inflation in die Realwirtschaft gebracht und dort für enorme Preissteigerungen gesorgt hat.“ Für ihn sei lediglich offen gewesen, wann die Inflation anspringen und was am Ende der Auslöser sein wird, schließlich habe sich das Inflationspotenzial durch die ultraexpansive Geldpolitik seit über zehn Jahren aufgestaut. Für das kommende Jahr rechnet er mit einer weiterhin hohen Geldentwertung und sagt: „Ich glaube nicht an einen sonderlich starken Rückgang der Inflation und gehe deshalb davon aus, dass die Inflationsrate im Dezember 2022 bei 4,1 Prozent p.a. liegen wird.“

Robert Hartmann erwartet bei Gold ein neues Rekordhoch

Robert Hartmann weist zudem darauf hin, dass wir in den vergangenen Monaten Inflationsraten erreicht haben, die wir letztmals vor drei Jahrzehnten gesehen haben. Bei Berücksichtigung der derzeit grassierenden Strafzinsen zahlreicher Banken, erzielten die negativen Realzinsen — also die inflationsbereinigten Renditen — sogar neue Negativrekorde. Normalerweise gelten in solchen Marktphasen Sachwerte wie zum Beispiel Edelmetalle als kaufenswert. Edelmetallexperte Hartmann erklärt: „Die schwache Goldperformance in diesem Jahr ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Großkapital die Ansicht der weltweit führenden Notenbanken geteilt hat und davon ausgegangen war, dass sich die Inflation in den kommenden Monaten deutlich zurückbilden werde. Mittlerweile haben EZB und Fed diese Einschätzung jedoch stark revidiert.“

Alles in allem räumt Robert Hartmann dem gelben Edelmetall für 2022 erhebliches Aufwärtspotenzial ein und sagt: „Sobald die Korrektur beendet ist, sollten im kommenden Jahr neue historische Höchststände zu erreichen sein.“ Wie weit die Reise gen Norden genau gehen wird, vermag der erfahrene Edelmetallexperte allerdings nicht zu sagen, schließlich sei dies zum einen von der Entwicklung der Realzinsen und zum anderen von geopolitischen Ereignissen abhängig, die heute noch niemand kennt. In einem Punkt ist er sich jedoch relativ sicher und sagt: „Angesichts des inflationären Umfelds gehe ich davon aus, dass das gelbe Edelmetall im nächsten Jahr stärker steigen wird als Standardaktien.“

Weißmetalle differenziert betrachten

Ein großer Unterschied zwischen Gold und den Weißmetallen Silber, Platin und Palladium besteht in deren Kursschwankungsintensität. Dies wird auf einen Blick durch den Vergleich der im Jahr 2021 bislang registrierten Tradingranges ersichtlich (siehe Tabelle). So verzeichnete Palladium unter den vier Edelmetallen die mit großem Abstand heftigsten Kursschwankungen, gefolgt von Platin und Silber. Bei Gold fiel das Auf und Ab am geringsten aus, was seinen Ruf als „sicherer Hafen“ tendenziell gestärkt hat. Deshalb dürfte gerade bei verunsicherten Anlegern mit ausgeprägtem Schutzbedürfnis häufig gerade diese Eigenschaft beim Goldkauf als besonders wichtiges Argument greifen, schließlich kommt das ersehnte Gefühl von Sicherheit bei starken Schwankungen eher nicht auf. Die Bezeichnung der Kryptowährung Bitcoin als „digitales Gold“ sollte daher angesichts der exorbitant hohen Kursausschläge unbedingt mit Vorsicht genossen werden.

Weil bei Silber, Platin und Palladium industrielle Nachfrager eine wichtige Rolle spielen, kann man den Weißmetallen eine starke Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung attestieren. Während Silber dank seiner vorteilhaften Materialeigenschaften in zahlreichen Branchen benötigt wird, beschränken sich die Einsatzgebiete von Platin und Palladium im Wesentlichen auf zwei Branchen: den Schmucksektor und vor allem die Automobilbranche. Doch die Zukunft von Verbrennungsmotoren, wo die beiden Schwestermetalle vor allem in den Abgaskatalysatoren landen, sieht nicht gerade rosig aus. Zwar werden die Umweltvorschriften in vielen Ländern immer strenger, zugleich boomt übergeordnet betrachtet aber vor allem die Elektromobilität.

Edelmetallprofi Robert Hartmann zeigte sich von der diesjährigen Performance des Silberpreises enttäuscht, da es sich schlechter entwickelt hat als Gold. Er sagt: „Wenn ich auf das aktuelle Gold/Silber-Ratio blicke, hätte ich erwartet, dass wir dieses Jahr unter der Marke von 70 schließen. Aktuell müssen hingegen fast 80 Unzen Silber pro Goldunze bezahlt werden.“ Zugleich merkt er an, dass sich in der Vergangenheit in Zeiten steigender Inflationsraten Silber in der Regel deutlich besser entwickelt hat als Gold. Diese Entwicklung blieb in diesem Jahr zwar aus, dürfte aber seiner Ansicht nach im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Hinsichtlich einer Bewertung der drei Weißmetalle, hat Edelmetallexperte Hartmann eine klare Meinung und sagt: „Meine Favoriten für das Jahr 2022 sind ganz klar Silber und Platin. Beide Edelmetalle haben im Vergleich zu Gold historisch betrachtet erhebliches Nachholpotenzial.“ Ihn würde es nicht wundern, wenn Silber an manchen Handelstagen mehr als 35 Dollar kostet, was einem Aufwärtspotenzial von mehr als 50 Prozent entspräche. Bei Platin erwartet er zumindest ein temporäres Knacken der Marke von 1.300 Dollar. Dies entspricht einem Kurspotenzial von ungefähr 38 Prozent — alles in allem verfügen beide über glänzende Perspektiven.

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