Rekordinflation in Deutschland und den USA: Warum das Vertrauen in die EZB schwindet

pro aurum Kilchberg ZH
3 min readOct 21, 2022
Creator: SERSOLL, File#: 434793539, Bildquelle: stock.adobe.com

Am Donnerstag ist — mal wieder — Panik an den Finanzmärkten ausgebrochen. Wieder einmal ging die Angst vor einem Ende der Flut des billigen Geldes um. Denn die neuesten Inflationsdaten aus den USA wurden veröffentlicht und die Teuerungsrate ist nicht so stark zurückgegangen wie erwartet. Die Schlussfolgerung der Spekulanten: kein schneller Ausstieg aus der Zinswende und keine Rückkehr zu den goldenen Zeiten, als es Geld zum Nulltarif gab.

Wirklich beunruhigend sind die neuesten Zahlen aus den USA aus einem ganz anderen Grund: Die sogenannte „Kerninflation“, in die Energie- und Lebensmittelpreise nicht einfließen, ist von 6,3 auf 6,6 Prozent gestiegen. Dies entspricht einem Vierzig-Jahres-Rekord. Preistreiber waren vor allem Mieten und Medizinprodukte — also Ausgaben, die für die meisten Amerikaner unvermeidlich sind. Besonders die Explosion der Mieten ist für Ökonomen ein Warnzeichen, denn sie machen rund ein Drittel des Warenkorbs aus.

Die neuesten Inflationszahlen hatten direkt nach Bekanntwerden massive Auswirkungen: DAX und Dow Jones gingen in die Knie, auch Gold knickte ein, der US-Dollar zählte dagegen zu den wenigen Anlageklassen mit einer positiven Entwicklung. Der „Greenback“ ist für viele Anleger inzwischen der einzige sichere Hafen.

Nicht nur in den USA kennt die Inflationskurve nur eine Richtung, auch hierzulande verläuft die Entwicklung mit beängstigendem Tempo. Gerade erst hat die Teuerungsrate die Marke von zehn Prozent erreicht. Ökonomen hatten vermutet, dass diese Grenze erst im Jahr 2023 geknackt wird. Doch nun befinden sich die Menschen in Deutschland in Bezug auf die Inflation in einer Situation wieder, die schlimmer ist als zur Zeit des Ölpreisschocks im Jahr 1973. Und eine baldige Entspannung ist nicht in Sicht. Katrin Assenmacher, Abteilungsleiterin Geldpolitische Strategie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, sagte gegenüber der Tagesschau in der ARD: „Wir erwarten, dass im Jahr 2024 die Inflation wieder nahe bei unserem Zielwert von zwei Prozent liegen wird.“

In der Fachwelt wird diese Prognose mit Kopfschütteln aufgenommen. So kritisiert beispielsweise Volker Wieland, Finanzexperte an der Frankfurter Goethe-Universität, die Prognose als zu optimistisch in der gegenwärtigen Gemengelage. Er erinnert daran, dass die EZB regelmäßig prognostiziere, dass „spätestens in zwei Jahren die Inflationsrate wieder auf dem Zielwert von zwei Prozent“ liege.

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Die hohe Inflation trifft die Verbraucher in Deutschland auf breiter Front. Neben den Energiekosten sind vor allem die Preise für Nahrungsmittel im September deutlich stärker als die Gesamtteuerung angestiegen: Um 18,7 Prozent verteuerten sich Lebensmittel im Vergleich zum Vorjahresmonat. Am oberen Ende der Entwicklung liegen Speisefette und Speiseöle, die sogar um 49 Prozent im Preis gestiegen sind. Molkereiprodukte und Eier legten um 29 Prozent zu.

Offenbar glaubt kaum noch jemand in Deutschland an ein schnelles Ende der Rekordinflation. So ist es beispielsweise auffällig, dass die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund nun Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst von 10,5 Prozent fordern — der stärkere Lohnausgleich ist offenbar erforderlich, weil die Inflation sich nach Einschätzung der Gewerkschaften verfestigt.
Mit Spannung blicken Investoren in aller Welt nun auf die Europäische Zentralbank. Die EZB trifft ihre nächste Zinsentscheidung am 27. Oktober. Erwartet wird ein weiterer Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte. Ob dieser Schritt kommt, ist aber umstritten — denn die südeuropäischen Schuldenstaaten ächzen bereits jetzt unter den hohen Zinsen.

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