Sven Hannawald: Hören Sie unbedingt auf Ihre innere Stimme

pro aurum Kilchberg ZH
6 min readOct 28, 2022
Bildquelle: Gunnar Menzel / Travel Charme

Wer kennt ihn eigentlich nicht — die Skisprung-Legende Sven Hannawald? Den „Sportler des Jahres 2002“, der als erster Skispringer alle vier Springen der Vierschanzentournee gewonnen hat. Am 7. Juli fand im Wittelsbacher Golfclub Rohrenfeld Neuburg e.V. das sechste Sven-Hannawald-Golfturnier zugunsten der Sven-Hannawald-Stiftung statt, bei dem pro aurum zwei wertvolle Preise gespendet hat: eine Ein-Kilogramm-Silbermünze, die während der Abendveranstaltung verlost wurde, sowie ein 250-Gramm-Goldbarren als „Hole in one“-Preis.

Erstmals seit sieben Jahren gelang übrigens einem Spieler dieses Kunststück, also den Ball mit einem Schlag vom Abschlag ins Loch zu befördern. Der glückliche Gewinner kam dann zudem in den Genuss, im Goldhaus von pro aurum den Goldbarren vom mehrfachen Goldmedaillen-Gewinner Sven Hannawald persönlich überreicht zu bekommen. Mit dem ehemaligen Ausnahmeathleten führte pro aurum das nachfolgende Interview.

Herr Hannawald, vor etwas mehr als 20 Jahren haben Sie als erster Skispringer alle vier Wettbewerbe der Vierschanzentournee gewonnen und sind auch in diversen Einzel- und Mannschaftswettbewerben regelmäßig ganz oben auf dem Podest gelandet. Was war — im Nachhinein betrachtet — der wichtigste Erfolgsfaktor für diese beispiellose Karriere?

Sven Hannawald: Ein Punkt war sicherlich meine Zielstrebigkeit. Schon als kleiner Junge wollte ich — bei allem, was mich interessiert hat — vorwärtskommen. Der Ehrgeiz, etwas hinzubekommen, war bei mir sicherlich sehr stark ausgeprägt, selbst wenn sich das Vorhaben nicht als Selbstläufer herausgestellt hat. Dennoch verlief meine Jugend relativ entspannt. Mit dem höheren Alter und dem damit verbundenen Wechsel in den Herrenbereich änderte sich dies allerdings und man merkte, wie weit man vom Leistungsniveau der großen Skispringer noch weg ist. Da gab es natürlich auch Momente, in denen die Fragezeichen größer wurden. Der Wille des Erreichenwollens war letztlich dann doch stärker. Allerdings gelingt mir dies in der Regel nur bei Dingen, die mir auch Spaß machen.

Gibt es Momente, in denen Sie den Hochleistungssport vermissen?

Wenn man einmal Leistungssportler war, ist das nachfolgende Leben auf keinen Fall damit vergleichbar. Irgendwie geht man anfangs noch davon aus, dass ein neuer Wettkampf ansteht, auf den man sich intensiv vorbereiten kann. Doch diesen Rhythmus gibt es einfach nicht mehr und an dessen Stelle treten dann andere Dinge, wie zum Beispiel Familie, was aber in der Praxis häufig weniger planbar ist. Andere Aktivitäten und Termine gewinnen ebenfalls an Bedeutung — insbesondere dann, wenn die Skisprungsaison wieder beginnt und ich mich aufgrund meiner Tätigkeit als TV-Experte der ARD wieder intensiv vorbereite und informiere. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich habe zwar mit dem Kapitel „Hochleistungssport“ abgeschlossen, aber ich vermisse ihn schon etwas.

Können Sie sich grundsätzlich vorstellen, sich im Rahmen eines Comebacks als Trainer, Manager oder in einer anderen Funktion in einem Wintersport-Team zu engagieren?

Derzeit genieße ich die Lage so, wie sie ist. Zum einen habe ich noch die Nähe zum Skispringen, zum anderen bin ich aber nicht so stark eingebunden, dass ich das ganze Jahr über unterwegs sein muss. Sobald ich mich für eine feste Position entscheiden würde, hätte ich zwangsläufig weniger Zeit für meine Familie. Eine Trainerposition wäre zum Beispiel genau die Aufgabe, die ich mir auf keinen Fall zumuten möchte, insbesondere im Hinblick auf meine gesundheitlichen Probleme in Zusammenhang mit meinem damaligen „Burnout“. Bei einer solch stressigen Aufgabe bestünde für mich die große Gefahr, dass ich wieder in dieses Loch abrutschen würde, weil mir der Erfolg der zu Trainierenden wichtiger wäre als meine eigene Gesundheit. Wahrscheinlich würde ich mich dermaßen stark reinsteigern, dass ich mich selber nicht mehr bremsen könnte.

In welchem Umfang betreiben Sie derzeit Sport und um welche Sportarten handelt es sich dabei?

Nun, da mittlerweile beide Kinder in der Kita sind, wird der Vormittag für mich und meine Frau wieder luftiger. Ich liebe Bewegung und spüre den Reiz, mich wieder sportlich zu messen. Gegenwärtig beschränke ich mich jedoch darauf, durch Laufen meine Kondition zu verbessern. Ein Teamsport, der mir aber schon immer besonders viel Spaß bereitet hat — nämlich Fußballspielen — geht derzeit aus zeitlichen Gründen leider noch nicht. Dieses Vorhaben ist jedoch lediglich ‚auf Eis‘ und nicht ‚ad acta‘ gelegt.

Und wie sieht es damit aus, hin und wieder einmal einen Skisprung zu wagen?

Das geht gar nicht, schließlich ist Skispringen ein Vertrauenssport. Das kann man nicht einfach mal so machen wie Fußball oder Tennis. Die Technik und der Ablauf eines Skisprungs hat man zwar noch gespeichert, aber das Vertrauen fehlt definitiv. Den Balken loslassen bedeutet nämlich, dass es keinen Weg zurückgibt. Deshalb entscheidet man sich als Ex-Profi lieber für die sichere Variante, nämlich, es nicht zu tun.

Auf Ihrer Website verweisen Sie auf zahlreiche unterschiedliche Tätigkeitsfelder, in denen Sie sich aktuell engagieren. Welche nehmen dabei besonders viel Zeit in Anspruch und welche machen Ihnen am meisten Spaß?

Ich habe derzeit das Glück, mich nur mit Dingen zu beschäftigen, die mir Spaß machen. Als besonders vorteilhaft empfinde ich den Umstand, dass ich mir das Jahr durch meine verschiedenen Tätigkeiten einteilen kann und ich mich nicht jahrelang in einer Dauerschleife befinde. Gegenwärtig freue ich mich zum Beispiel auf den Winter und bin unheimlich gespannt darauf, ob es in diesem Jahr für einen deutschen Tournee-Sieg reicht, schließlich präsentierte sich beim Sommer-Grand-Prix insbesondere Andreas Wellinger in einer bestechenden Form. Ab Mai konzentriere ich mich dann wieder auf andere Aktivitäten, in denen ich im Rahmen von Vorträgen und Dialogen versuche, die Leute zu ermutigen, verstärkt auf ihre innere Stimme zu hören — unabhängig davon, was rechts und links bzw. im Rest der Welt aktuell passiert.

2018 haben Sie die Sven-Hannawald-Stiftung gegründet. Möchten Sie unsere Leser über deren Förderziele kurz informieren und aufzeigen, in welcher Form man diese finanziell unterstützen kann?

Bei meiner Stiftung gibt es im Grunde genommen zwei Themenschwerpunkte, die meine Vergangenheit stark beeinflusst haben. Zum einen liegt mir natürlich der Skisprungnachwuchs in meinen zwei Heimatvereinen in Johanngeorgenstadt, wo ich aufgewachsen bin, und in Hinterzarten, wo ich während meiner Zeit als Profi gelebt habe, sehr am Herzen. Diese beiden Vereine möchte ich finanziell unterstützen. Wie überall, scheitern auch dort wichtige Aufgaben derzeit vor allem am Geld. Zum anderen möchte ich aber auch den Menschen helfen, die derzeit unter dem Burnout-Syndrom leiden, denn schließlich duldet eine solche Erkrankung keinen Aufschub. Außerdem sind die Therapiemöglichkeiten für gesetzlich Krankenversicherte alles andere als optimal anzusehen. Und deshalb suche ich nach Wegen, die bestehende Kluft zu Privat- bzw. Spezialkliniken zu überwinden, um möglichst schnell notwendige Behandlungen zu ermöglichen.

Wie halten Sie angesichts Ihrer zahlreichen Tätigkeiten Ihre persönliche Work-Life-Balance im Gleichgewicht?

Das ist alles nur eine Frage der Koordination. Früher — und damit meine ich die Zeit, als man noch nicht dank Handy und Mails jederzeit erreichbar war — waren Samstage und Sonntage eindeutig als Pausentage definiert und dienten der Erholung und Regeneration. Mit den neuen Kommunikationsmitteln verzichtet man leider häufig auf diese Erholungsphase, weil man doch noch mal schnell ein paar Mails oder die Social-Media-Kanäle checkt. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, die Wochenenden als rote X zu markieren und freizuhalten. Dies lässt sich natürlich insbesondere während der Skisprungsaison nicht immer einhalten. Diese Tage werden dann zwar verschoben, ich lösche sie aber nicht mehr. Und sollte einmal das Verschieben nicht mehr möglich sein, werden neue Termine nicht zugesagt. Deshalb kann ich jedem nur raten, stets auf die innere Stimme zu hören. Und sollte deren Tenor negativ sein, braucht man absolut kein schlechtes Gewissen haben, neue Termine oder Projekte nicht anzunehmen.

Zu guter Letzt noch eine ganz persönliche Frage: Wie halten Sie es eigentlich mit der privaten Vermögensanlage?

In den vergangenen, von diversen Krisen gezeichneten Jahren habe ich erkannt, dass finanzielle Vorsorge ausgesprochen wichtig ist. Ich war zwar noch nie ein Verschwender, habe aber zuletzt hin und wieder private Ausgaben verstärkt infrage gestellt und die Prioritäten verschoben — insbesondere mit Blick auf die negative Entwicklung der Umwelt. Grundsätzlich versuche ich, Geld breit zu investieren und betrachte unser eigenes Haus als mit Abstand beste und wichtigste Geldanlage.

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