World Gold Council meldet Nachfrageschwäche für Q2

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Auf ein starkes erstes Quartal folgte mit Blick auf die Goldnachfrage ein schwaches zweites Quartal. Nachfolgend erfahren Sie mehr über die vom World Gold Council (WGC) veröffentlichten „Gold Demand Trends Q2 2022“.

Angebot hui, Nachfrage pfui

Laut London Bullion Market Association (LBMA) hat der Goldpreis im zweiten Quartal auf Dollarbasis sechs Prozent an Wert verloren. Gegenüber den meisten anderen Währungen entwickelte sich das gelbe Edelmetall aufgrund der markanten Dollarstärke aber deutlich besser. Besonders interessant: Während in den Monaten April bis Juni die Gesamtnachfrage (ohne OTC) gegenüber dem Vorjahresquartal (Q2 2021) einen signifikanten Rückgang von 1.031,8 auf 948,4 Tonnen (–8,1 Prozent) verzeichnet hat, ging es mit dem Gesamtangebot im selben Zeitraum von 1.137,4 auf 1.192,7 Tonnen (+4,9 Prozent) nach oben. Nach den Gesetzmäßigkeiten der Betriebswirtschaft wirkt sich eine rückläufige Nachfrage bei zugleich steigendem Angebot in der Regel negativ auf den Preis aus.

Die positive Entwicklung auf der Angebotsseite war sowohl bei der Primärproduktion (Goldminen) als auch bei der Sekundärproduktion (Recyclingsektor) auszumachen. So kletterte zum Beispiel die Minenförderung im zweiten Quartal von 876,2 auf 911,7 Tonnen (+4,0 Prozent). Laut WGC-Daten wurde in einem zweiten Quartal noch nie mehr Gold aus dem Boden geholt. Beim Recycling fiel das prozentuale Wachstum angesichts eines Anstiegs von 278,5 auf 291,1 Tonnen (+4,5 Prozent) sogar etwas höher aus. Bei den Absicherungstransaktionen wurde ein Wert von minus 10,0 Tonnen [(Q2 2021: –17,3 Tonnen) ermittelt.

Übrigens: Der World Gold Council geht davon aus, dass es mit dem globalen Goldangebot weiterhin bergauf gehen wird, insbesondere im Recyclingbereich. Als Grund nannten die Goldexperten vor allem das schwache Wachstum der Weltwirtschaft, was zu „Notverkäufen“ führen könnte.

Schmucknachfrage im Rückwärtsgang

Die globale Schmucknachfrage gilt seit Jahren als wichtigstes Marktsegment und entwickelte sich in Q2 relativ positiv, schließlich war hier gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 456,2 auf 484,3 Tonnen (+6,2 Prozent) registriert worden. Da das vergleichbare Vorjahresquartal coronabedingt relativ schwach ausgefallen war, sollten die positiven Vorzeichen allerdings nicht überinterpretiert werden. In China gab es nämlich aufgrund der strengen Null-Covid-Strategie der chinesischen Machthaber in Q2 einen regelrechten Einbruch von 146,7 auf 103,5 Tonnen (–29,4 Prozent) zu vermelden. Noch stärker bergab ging es mit der Schmucknachfrage in Russland, die sich auf 4,7 Tonnen glatt halbiert hat. Kompensiert wurden diese Belastungsfaktoren durch die Entwicklung in Indien, dem nach China zweitwichtigsten Schmuckkonsumenten der Welt. Dort stellte sich nämlich ein regelrechter Nachfrageboom von 94,3 auf 140,3 Tonnen (+48,8 Prozent) ein. Erhebliches Wachstum war aber auch in der Region Mittlerer Osten zu beobachten, wo ein Zuwachs von 38,0 auf 47,3 Tonnen (+24,5 Prozent) zu Buche schlug.

Ein anderes wichtiges Marktsegment entwickelte sich im zweiten Quartal ausgesprochen schlecht und war somit für die gegenwärtig suboptimale Stimmung an den Goldmärkten hauptverantwortlich — der Investmentsektor. Dieser hat sich nämlich gegenüber dem Vorjahreswert von 286,1 auf 205,8 Tonnen (–28,1 Prozent) kräftig reduziert. Massive Verkäufe gab es zum Beispiel bei Gold-ETFs zu vermelden. Während in Q2 2021 noch Zuflüsse in Höhe von 40,6 Tonnen gemeldet wurden, gab es nun Abflüsse in Höhe von 38,8 Tonnen zu beklagen. Doch diesen Umstand sollten Anleger nicht überbewerten, schließlich werden dank der massiven Zuflüsse im ersten Quartal auf Halbjahressicht per Saldo immer noch hohe Zuflüsse von 234 Tonnen ausgewiesen. Bei der Nachfrage nach Goldbarren und -münzen war auf Jahressicht Stagnation angesagt, schließlich gab es hier lediglich ein marginales Minus von 245,5 auf 244,5 Tonnen (–0,4 Prozent) zu vermelden. Auch in diesem Segment entwickelten sich die beiden Länder China (–34,8 Prozent) und Indien (+20,0 Prozent) völlig konträr. Interessant dabei: Aufgrund der chinesischen Nachfrageschwäche floss mit 41,2 Tonnen das meiste Gold in Form von physischen Barren und Münzen nach Deutschland.

Nachlassendes Kaufinteresse unter Notenbanken

Mit 179,9 Tonnen haben sich die globalen Nettokäufe der Notenbanken im zweiten Quartal um 14 Prozent p. a. ermäßigt und belaufen sich damit seit dem Jahreswechsel auf insgesamt 270 Tonnen. In den ersten sechs Monaten haben folgende Staaten am meisten Gold gekauft: Türkei (plus 63 Tonnen), Ägypten (plus 44 Tonnen), Irak (plus 34 Tonnen) sowie Indien (plus 15 Tonnen). Die stärkste Verkaufslaune war hingegen in diesen Ländern auszumachen: Kasachstan (18 Tonnen), Philippinen (minus 6 Tonnen) und Deutschland (minus 4 Tonnen).

Die WGC-Analysten führen das anhaltende Interesse der „Geldexperten“ an Gold vor allem auf zwei Faktoren zurück. Zum einen kann das Edelmetall durch seine Eignung als Vermögens- und Inflationsschutz punkten. Zum anderen schätzen die Notenbanker aber auch dessen seit Jahrtausenden bewährte Werterhaltfunktion und verweisen dabei auch auf die Erkenntnisse ihrer kürzlich veröffentlichten Jahresumfrage unter Notenbankern. Demzufolge wollen 25 Prozent der Notenbanken ihre Goldreserven in diesem Jahr aufstocken (2021: 20 Prozent).

Der Industriesektor gilt als das kleinste Marktsegment innerhalb des globalen Goldmarktes und hat im zweiten Quartal leicht geschwächelt. Der in die drei Segmente Elektronik, andere Industrien und Dentalbranche eingeteilte Sektor verzeichnete einen Rückgang der Nachfrage von 79,8 auf 78,4 Tonnen (–1,8 Prozent). Während die Nachfrage aus der Elektronikbranche um 2,7 Prozent auf 64,4 Tonnen gesunken ist, war in der Dentalbranche ein Minus von 2,9 auf 2,6 Tonnen und bei den anderen Industrien ein Wachstum von 10,7 auf 11,3 Tonnen zu beobachten.

Licht und Schatten beim Ausblick des World Gold Council

Aufgrund der schwierigen makroökonomischen Perspektiven sehen die WGC-Analysten beim Goldpreis sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Als potenzielle Belastungsfaktoren haben sie nachlassende Inflationssorgen, eine schwache ETF-Nachfrage sowie eine anhaltende Dollarstärke ausgemacht. Hinsichtlich der Entwicklung des Goldmarktes gaben die WGC-Analysten die folgenden sechs Prognosen ab:

  1. Trotz eines starken Halbjahres wird auf Gesamtjahressicht lediglich mit einer stabilen ETF-Nachfrage gerechnet
  2. Gold dürfte als „sicherer Hafen“ weiterhin gefragt bleiben
  3. Die eingetrübten Konjunkturperspektiven könnte die Kauflaune der Konsumenten belasten und zu einem höheren Angebot via Recycling führen
  4. Die Nachfrageschwäche in China könnte trotz staatlicher Konjunkturhilfen weiter anhalten
  5. Bei den Nettokäufen der Notenbanken halten die WGC-Analysten einen Wert auf Höhe des Vorjahres für wahrscheinlich
  6. Auf der Angebotsseite wird weiteres Wachstum erwartet, insbesondere beim Recycling von Gold

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